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Seit Jahrzehnten schon ist die Stadthalle in Balingen Schauplatz glanzvoller Ballveranstaltungen, die von dem Albstadter Tanzschulinhaber Horst Walter mit Liebe und Sorgfalt geplant und vorbereitet werden. Stets sind auch hochkarätige tanzsportliche Wettkämpfe in diese festlichen Ereignisse eingebunden. Tanzsportler aus dem In- und Ausland kommen immer wieder gerne nach Balingen im Zollern-Alb-Kreis: Es ist die besondere Atmosphäre, die die Fähigkeit zu professioneller Durchführung mit einem fast familiären Fluidum verbindet, was die Turniertänzer den Ruf nach Balingen immer wieder gerne befolgen lässt.
Dieses Mal ist Horst Walter etwas Besonderes gelungen: In Würdigung seiner Verdienste als Ausrichter hat ihm der Deutsche Professional Tanzsportverband e.V. (DPV) im Auftrag des Internationalen Tanzsportverbandes der Professionals, des World Dance Council (WDC) die Ausrichtung der Europameisterschaft der Professionals in der Kür in den Standardtänzen übertragen.
Seit es den Tanzsport gibt, das sind jetzt rund einhundert Jahre – gibt es die Frage: Ist Tanzen Sport oder Kunst oder Show? Bill Irvine, selbst vielfacher Weltmeister und Tanzsporttrainer seit vielen Jahrzehnten, Idol aller Nachfolgenden, hat dazu in einem Interview sehr salomonisch gesagt: „Tanzsport ist Sport und ist Kunst und ist Show“. Alle drei Elemente müssen also harmonisch zusammenkommen, wenn Tanzsport seine Faszination ausüben will.
Für viele ist das Ritual eines üblichen Turniers (entweder fünf Standardtänze oder fünf Lateintänze) zu eingeengt. Letztlich gibt es einen Konsens über das Erwartete, der die Gestaltungsfreiheit der Tanzpaare etwas einengt. Im Gegensatz zu den Amateuren gibt es bei den Professionals deshalb eine eigene Turniersparte, den Kürtanz. Auch hier gibt es Regeln, sie geben aber den Turnierpaaren deutlich mehr Möglichkeiten eigener Gestaltung als die herkömmlichen Wettkämpfe in den Standard- oder lateinamerikanischen Tänzen. Freilich stellt diese zusätzliche Disziplin weitere Forderungen an den Trainingsfleiß der Turnierpaare, denn eine solche Kür muss zunächst konzipiert und gestaltet, dann aber auch ebenso sorgfältig trainiert werden wie es bei den üblichen Turniertänzen der Fall ist.
Für die Kürturniere (Standard oder Latein) wählen die Paare Elemente aus den Turniertänzen aus, mindestes aus einem, maximal aus allen fünf. Sie dürfen Elemente aus anderen (z.B. den Standard- bzw. lateinamerikanischen) Tänzen mitverwenden, um die Choreographie anzureichern und attraktiver zu gestalten. Die Zeit für die Kürmusik beträgt zwischen 2.45 und 3.30 Minuten. Die Wahl der Kleidung darf zum Thema der Kür passend gewählt werden, muss aber dem Standard- bzw. dem Lateintanzen entsprechen. Die Startreihenfolge wird ausgelost. In der Endrunde werden – ähnlich wie im Eiskunstlauf - zwei Wertungen abgegeben, nämlich die A-Note für den Technischen Wert und die B-Note für den Künstlerischen Eindruck (z.B. Choreographie, Musikalität, Ideenreichtum, Originalität).
Hinter diesen trockenen Vorschriften verbirgt sich: Am Anfang steht eine Idee oder eine Musik, beides will zusammen zu einer „performance“ verwoben werden. Zugleich wird damit allerdings auch eine Problematik des Kürtanzens deutlich: Wie lässt sich – in der B-Note – beispielsweise eine „heitere, fröhliche“ mit einer „ernsteren“ vergleichen?
Dies zu klären, dafür wird ein erlesenes internationales Wertungsgericht sorgen. Unter den Augen dieses Wertungsgerichts werden die besten internationalen Kürpaare um Treppchenplätze oder gar den Sieg kämpfen.